Dienstag, 28. Oktober 2014

Von Salafisten, Hooligans und Journalisten


Eines gleich vorab: Journalisten können Rechtsradikale nicht ausstehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass rechte Äußerungen oder Straftaten in Redaktionen immer für Verwirrung und für Diskussionen sorgen: Sollen wir jetzt berichten, um die Menschen aufzuklären und davor zu warnen? Oder machen wir uns zum Handlanger der Rechten, wenn wir ihnen eine Plattform bieten und ihre Botschaften weiterverbreiten?
Im Fall der Demonstration von "Hooligans gegen Salafisten" am Sonntag in Köln hat die Medienwelt sich eindeutig entschieden: Es wird berichtet, analysiert und prognostiziert, was das Zeug hält. Die möglichen Fehler von Politikern, Verfassungsschützern und Polizisten werden, richtigerweise, diskutiert, Konsequenzen werden gefordert und Experten befragt. Diesen Experten stellen die Journalisten, richtigerweise, immer wieder auch die wichtige Frage: Wie konnte es kommen, dass diese als Fußballfans getarnten Schlägertrupps plötzlich einen solchen Zulauf bekommen? Viel wichtiger wäre an dieser Stelle aber doch die Frage: Was haben die Medien damit zu tun? Welchen Beitrag haben sie mit ihrer Berichterstattung über Salafisten in den vergangenen Wochen dazu geleistet, dass die „Hooligans gegen Salafisten“ sich einigen Bürger als Retter in der Not präsentieren konnten?
Populistische Forderungen nach Einschränkungen von Grundfreiheiten für deutsche Staatsbürger sind weitgehend unreflektiert weiterverbreitet, Risiko-Warnungen zu Bedrohungsszenarien aufgebauscht worden. Von einer selbsternannten "Scharia-Polizei" haben sich vom Boulevardblatt bis zur Tagesschau alle aus der Fassung bringen und zur Verbreitungsplattform einiger Radikaler machen lassen. Den Hooligans haben sie damit in die Hände gespielt.
Rechtsradikalen Schlägertruppen brauchen islamistische Hassprediger - und beide brauchen Medienpräsens. Manche Journalisten haben diensen Zusammenhang schon begriffen. Die eigene Rolle in diesem Dreieck kritisch zu reflektieren, steht in den stets um "Objektivität" bemühten Redaktionen jedoch nicht auf der Agenda. Das ist unprofessionell. Journalisten hegen berechtigte Antipatien gegen Rechtsextreme, Salafisten und alle anderen Kräfte, die das demokratische System bedrohen, in das Medien eingebettet sind. Sie müssen aber darauf bedacht sein, in ihrer Berichterstattung gegen die eine Art von Verfassungsfeindlichkeit nicht die andere Art zu unterstützen.