Dienstag, 26. April 2011

Quälend lange

Tiertransporte sind kein schönes Nachrichtenthema. Die Bilder, die es - wenn überhaupt - dazu gibt, schaut sich niemand gerne an. Vielleicht liegt es auch daran, dass so wenig über die Initiative von einigen EU-Abgeordneten: sie wollen Tiertransporte auf acht Stunden beschränken.Mehr als 21000 Unterschriften sind auf der homepage 8hours.eu schon für die Petition zusammengekommen. Aber viel zu viele Fleischessen machen sich lieber gar keine Gedanken darüber, wo ihr Steak herkommt und welchen Weg es schon hinter sich hat.
Letzten Endes geht alles immer wieder auf die Frage zurück: Wie viel Geld ist uns unser Essen wert?
Denn der Kunde entscheidet sich im Supermarkt bei jedem Griff ins Kühlregal für oder gegen die Rechte von Tieren.
Bis vor vier Jahren haben alle europäischen Steuerzahler die Quälerei sogar unfreiwillig mitfinanziert: Ein Teil der Agrarsubventionen wurde dafür verwendet, denen, die Rinder, Schweine, Hühner und Pferde in Länder jenseits der EU-Grenzen karrten (wo sie weniger Geld für das Fleisch bekamen) zu entschädigen. Und laut dem Tierschutzbund hat sich die Situation nach 2007 trotz der fehlenden Subventionen nur wenig verbessert. Denn natürlich ist es im Nahen Osten billiger, die Tiere schlachten zu lassen, als im benachbarten Dorf.
Wer sich jetzt denkt: so ein Blödsinn, diese Tiertransporte sind ja nicht so schlimm, dem empfehle ich, sich einfach mal ein paar Videos anzugucken. Und wer mehr dagegen tun will, als eine von so vielen ungehört verhallenden Petitionen zu unterschreiben, dem kann ich nur empfehlen: Passt beim Einkaufen auf, wofür ihr Geld ausgebt. Es ist Quatsch, dass wir nur ein Mal pro Legislaturperiode wählen dürfen. Wir können jeden Tag wählen - wir müssen es uns nur bewusst machen!

Montag, 4. April 2011

Denkfehler

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben Zeev, will Frieden in Nahost. Und die Zweistaatenlösung. Verglichen mit so manchem seiner Landsleute könnte er damit schon als radikaler Pazifist bezeichnet werden. In seiner Außenansicht in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 78, 4.4.2011) wird jedoch relativ deutlich, warum die vielen von ihm koordinierten Friedensverhandlungen mit den Palästinensern scheitern mussten.
Ben Zeev schreibt, Israel habe "kein Interesse" an einer Eskalation der gegenwärtigen Situation. Und weiter: "Doch wir wollen einen Frieden in Sicherheit. Deshalb führen wir einen entschlossenen Krieg gegen den Terror."

Der Denkfehler ist offensichtlich: Krieg und Gewalt sind das Gegenteil von Sicherheit und Frieden. Das weiß jedes Grundschulkind. Mit einem Krieg kann ein Staat die Mehrzahl seiner Gegner ausschalten und die restlichen von ihnen in den Untergrund treiben. Für eine kurze Zeit können die Gegner so aus dem Bewusstsein verdrängt und Gefühle wie Sieg und Sicherheit suggeriert werden. Gewalt aber erzeugt Gegengewalt. Deshalb bringt der "Krieg gegen den Terror" dem israelischen Volk keine Sicherheit, sondern er schürt Rachegelüste bei der Hammas und bringt ihr die Unterstützung der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen.
Wer Krieg gutheißt, dessen Moral unterscheidet sich nicht von der der Hammas. Und wer Menschenleben gegeneinander aufwiegt, der versteht nichts vom Frieden. Es macht kaum einen Unterschied, ob ein Staat nur Aufrüsten oder Aufrüsten und Verhandeln will. Sicherheit ist schwächer als Gewalt, sie kann sich nicht durchsetzen. Frieden ist instabiler als Krieg, er bricht sofort zusammen.

Ben Zeevs Friedensbemühungen in allen Ehren. Aber solange er davon überzeugt ist, seinem Land könne der Krieg gegen den Terror einen "Frieden in Sicherheit" bringen, könnte er sich die mühselige Diplomatie und die zähen Verhandlungen eigentlich sparen.

Samstag, 2. April 2011

Symptome einer Überflussgesellschaft

Die Aufgabe der Lebensmittelverkäufer in der westlichen Welt ist klar: satte Menschen hungrig machen, damit sie etwas kaufen. Das gilt aber offensichtlich nicht nur für's Essen. Eine exklusive Ladies Night mit Gratis-Sekt, Strech-Limousinen und eine Handleserin ist nötig, um heute noch Frauen zu Karstadt zu locken. Außgerechnet Frauen, die doch angeblich so gerne shoppen! 60% der Kundschaft sei weiblich, sagt Karstadt Dortmund. Diese 60% müssen offenbar bei Laune gehalten werden. Mit Rosen und Typveränderung und Pilates-Kursen freitagsabends im Einkaufszentrum.
Keine Frage, die Idee ist gut und das Konzept sicher aufgegangen.
Wie aber muss es um unsere Gesellschaft stehen, wenn solche "Special Events" nötig sind, um Frauen zum Einkaufen zu bewegen? Wirtschaftskrise, Gastarbeiter, sinkende Reallöhne - die wildesten Schreckensszenarien werden beschworen. Und natürlich gibt es Verlierer. Immer wieder. Aber es sind nicht nur die oberen 5% unserer Gesellschaft, die im Geld schwimmen. Fast alle von uns tun es. Wir wollen es nur nicht sehen. Es ist viel leichter, sich selbst zu bemitleiden und auf der Einkommensleiter nach oben zu schielen. Dabei verliert man - und frau - jedoch schnell den Blick fürs Ganze: Es geht uns gut. Es könnte uns so viel schlechter gehen. Wir haben alles, was wir brauchen. Und ganz viel, was wir nicht brauchen. Eine Ladies Night bei Karstadt zum Beispiel. Wir sollten uns also nicht beschweren.