Samstag, 2. April 2011

Symptome einer Überflussgesellschaft

Die Aufgabe der Lebensmittelverkäufer in der westlichen Welt ist klar: satte Menschen hungrig machen, damit sie etwas kaufen. Das gilt aber offensichtlich nicht nur für's Essen. Eine exklusive Ladies Night mit Gratis-Sekt, Strech-Limousinen und eine Handleserin ist nötig, um heute noch Frauen zu Karstadt zu locken. Außgerechnet Frauen, die doch angeblich so gerne shoppen! 60% der Kundschaft sei weiblich, sagt Karstadt Dortmund. Diese 60% müssen offenbar bei Laune gehalten werden. Mit Rosen und Typveränderung und Pilates-Kursen freitagsabends im Einkaufszentrum.
Keine Frage, die Idee ist gut und das Konzept sicher aufgegangen.
Wie aber muss es um unsere Gesellschaft stehen, wenn solche "Special Events" nötig sind, um Frauen zum Einkaufen zu bewegen? Wirtschaftskrise, Gastarbeiter, sinkende Reallöhne - die wildesten Schreckensszenarien werden beschworen. Und natürlich gibt es Verlierer. Immer wieder. Aber es sind nicht nur die oberen 5% unserer Gesellschaft, die im Geld schwimmen. Fast alle von uns tun es. Wir wollen es nur nicht sehen. Es ist viel leichter, sich selbst zu bemitleiden und auf der Einkommensleiter nach oben zu schielen. Dabei verliert man - und frau - jedoch schnell den Blick fürs Ganze: Es geht uns gut. Es könnte uns so viel schlechter gehen. Wir haben alles, was wir brauchen. Und ganz viel, was wir nicht brauchen. Eine Ladies Night bei Karstadt zum Beispiel. Wir sollten uns also nicht beschweren.

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