Freitag, 5. August 2011

Viel Lärm um nichts

Ein Aufschrei ging durch die Medien- und Facebooklandschaft, als das Urteil verkündet wurde: 3000 Euro Entschädigung für einen Kindesmörder! Die Empörung war riesig. "Eine Perversion des Rechtsstaats", kommentierte die Bild. Erica Steinbach meldete sich - paradoxerweise in ihrer Funktion als Menschenrechtsbeauftragte - beim anderen Springer-Blatt zu Wort und bezeichnete das Urteil als "Bedrohung für die demokratische Kultur". Ihr CDU-Kollege Siegfried Kauder dagegen schlug eine Gesetzesänderung vor, damit ein solches Schmerzensgeld in Zukunft den Opfern - also, den Opfern der Verbrecher,  nicht den Opfern der Folterandrohung - zugute komme. Reine Polemik? Vermutlich - aber eine, die sicherlich gut ankommt.
"Der hat kein Geld sondern was anderes verdient!", "Die Frage ist, ob er davor oder danach einen größeren Fchaden an der Waffel gehabt hat" und ähnliche Äußerungen waren auf Facebook zu lesen. Wie so oft sagen die Politiker und schreiben die Medien das, was die Leute - angeblich, vermutlich, vielleicht - hören wollen. 
Nur wer seinen Blutdruck kontrollieren konnte, hatte noch Zeit zu recherchieren. Zum Glück haben wir solche Medien in unserem Land, die dann aufdeckten: Der Kindesmörder bekommt keinen Cent von seiner Entschädigung. Die 3000 Euro machen nur einen Bruchteil von dem aus, was Gäfgen der Justizkasse noch an Schulden aus dem Mordprozess zurückzahlen muss. Das Geld bleibt also beim Staat.
Abzuwarten, bis diese nicht unwichtige Kleinigkeit ebefalls bekannt war und sie im Empörungsschrei zu erwähnen, das wäre zu kompliziert gewesen, hätte die Rezipienten überfordert oder sei nicht das, was sie hören wollten - das würden Springer, Steinbach und Co. wohl sagen. Und leider handelt es sich hierbei um eine selbsterfüllende Prophezeihung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen